Der Spiegel Nr.28 / 9 Juli 1973 - Lotsenstreik
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Der Spiegel Nr.28 / 9 Juli 1973 - Lotsenstreik

Titelbild: Lotsenstreik - Dikatur der Spezialisten? - Interview mit Sacharow Erschöpfung, Apathie, Zynismus

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Original Inhaltsbeschreibung:

In diesem Heft:

  • Regierung in Zeitnot: Sieben Monate nach ihrem Wahlsieg droht der Koalition eine peinliche Wiederholung: Sowenig die Regierung Brandt/Scheel ihren innen­politischen Reformfahrplan von 1969 einhalten konnte, so ungewiß sind heute die Aussichten des zweiten. Weder bei der Mitbestimmung noch bei der Vermögensbildung oder dem Bodenrecht - drei Schwer­punkten des Wahlkampfes von 1972 - sind sich die Partner näherge­kommen. Viel Zeit bleibt den Reformatoren nicht mehr. Im März 1974 beginnt eine ständige Wahlkampf-Tournee durch die deutschen Lande.
  • FDP - Piratensender im Mittelmeer?: Gestärkt durch Wählergunst und Spendenfluß, planen FDP-Manager jetzt die Reform der antigierten Parteistruktur. Die FDP müßte, so lautet eine Empfehlung, "wie eine x-beliebige Käsefabrik" geführt, liberale Politik nach Marketing-Konzeption an den Mann gebracht werden - und dies sogar zur Urlaubszeit: Ein FDP-Piratensender im Mittelmeer soll zwischen Suchanzeigen und Musik Freidemokratisches anbieten.
  • Richter-Amt für DKP-Mitglied: Ein Mitglied der DKP soll in Nordrhein-Westfalen Richter werden, Düsseldorfs Oberlandesgerichtspräsident aber weigert sich, dem Kommunisten die Bestallungsurkunde auszuhändigen - und geriet dar­über in Streit mit dem Landesjustizminister Posser (SPD). Der Präsident rechnet nun mit der Solidarität der Kollegen: Die könnten sich weigern, dem DKP-Mann "überhaupt richterliche Aufgaben zuzuweisen".
  • Interview mit Sowjetphysiker Sacharow: 1968 hatte der Atomwissenschaftler Sacha­row in einem Memorandum, das der SPIEGEL veröffentlichte, die übernahme des Prager Liberal-Kommunismus durch die UdSSR ge­fordert: "Bis 1980 ein Mehrparteiensystem in Moskau." Jetzt korrigiert Sacharow in einem Interview seine Ansichten über die Aggressi­vität Chinas - die Lage in der UdSSR beurteilt er noch pessimistischer. Aber: "Daß wir unsere fünfzigjährige Isolation durch­brechen, kann positive, Folgen haben." Sacharow übt radikale Kritik an der Partei­ Hierarchie, Er fühlt seine Familie bedroht.
  • Italien schwimmt in Schmutz: Jahrzehntelang haben die Italiener das Mittelmeer als Schuttablade­platz mißbraucht. Durch Kanalisations- und Fabrikationsmüll sind heute die Küstengewässer der Apenninhalbinsel - rund drei Viertel aller Badestrände - verdreckt. Doch für den Schutz der Umwelt fehlt den Italienern das Geld. Allein für den Bau der erforderlichen Kläranlagen müßte das Land 16 Milliarden Mark aufwenden.
  • Rote Zahlen beim deutschen Fernsehen: 12 statt 8,50 Mark möchten die Intendanten künftig von deutschen Fernseh-Zuschau­ern kassieren - nach vielen fetten Jahren, in denen sich die Anstalten an Prunkbauten und Stargagen gewöhnten, geht ihnen nun das Geld aus. Die Politiker wollen nur 10,50 Mark genehmigen und mit dieser Strategie des knappen Geldes, so Intendant Bausch, "politisches Wohlgefallen" der Sender "erzeugen".
  • Deutsche Mayo-Klinik vor Bankrott?: Vom 20. Juli an müsse das Land Hessen einspringen - "sonst droht der Bankrott". Mit dieser Erklärung entzog der Elektrokonzern Siemens, bisher Großaktionär der Deutschen Klinik für Diagnostik, dem respek­tablen Wiesbadener Ärzte-Pool seine Gunst. Die Hoffnung, Deutsch­lands Reiche würden massenhaft zum Gesundheits-Tüv strömen ("Check up"-Preis: bis zu 4000 Mark), hat sich nicht erfüllt.
  • Neuer Kurssturz des Dollar: Am vergangenen Wochenende stürzte der Kurs des US-Dollar an den deutschen Devisenbärsen von 2,35 auf 2,22 Mark. Deutsches Geld also wurde - eine Woche nach der Mark-Aufwertung - erneut teurer. Trotz der ständigen Verteuerung deutscher Ware auf dem Weltmarkt aber leben die Exporteure in einem Boom wie noch nie.
  • BDI-Chef Sohl fürchtet Jugoslawisierung: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BOI) sei bereit, auch neue Wege zur Mitbestimmung und zur Vermögensbildung der Arbeit­nehmer zu diskutieren. Das sagte BDI­ Präsident Hans-Günther Sohl in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. Der Indu­striepräsident befürchtet aber, daß die Mitbestimmungspläne des Deutschen Ge­werkschaftsbundes am Ende zur "Arbei­terselbstverwaltung nach jugoslawischem Vorbild oder zur Sozialisierung" führen. Die Bedenken der Unternehmer haben auch einen psychologischen Hintergrund: Unter der sozialliberalen Koalition emp­finden sie sich als Parias, deren Meinung Sohl ungern gehört wird.
  • Firmen-Run nach USA: Jahrelang kauften sich die Amerikaner in Europas Industrien ein. Jetzt - nach dem Kursverfall des Dollar - werden mehr und mehr US-Firmen zur Beute der Europäer und Japaner. Da Dollar-Abwertung und Floating die Exporte in die USA drastisch verteuerten, fühlen sich viele Unternehmer gedrängt, in den USA selbst zu produzieren. Auch VW erwägt den Bau eines Montagewerks in den USA.

9 Juli 1973

Seitenanzahl: 122 Seiten

Sprache: Deutsch

DS-DE.1973.nr.28

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