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Der Spiegel Nr.33 / 7 August 1967 - Schwarz gegen Weiß
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Der Spiegel Nr.33 / 7 August 1967 - Schwarz gegen Weiß

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Titelbild: Schwarz gegen Weiß. Amerikas zweiter Bürgerkrieg

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Original Inhaltsbeschreibung:

  • TITELGESCHICHTE Rosenkrieg
  • RUDOLF AUGSTEIN Tatverdacht, nun doch anfaßbar
  • BONN:
    Brandt-Reise
    Kanzler-Urlaub
    Kiesinger-Reise
    Bundespräsidenten-Wohl
  • GERHARD MAUZ Bei der Trauerfeier für Alfried Krupp von Bohlen und Halbach
  • SERIE Die Jagd noch flüchtigen NS- Verbrechern
  • NAHER OSTEN Israels Feldzug in der Sinai-Wüste
  • BÜCHER Hans Eckstein über den Bildband Der Bungalow

Spiegel-Verlag/Hausmitteilung vom Datum: 7. August 1967 - Betr.: Wiesenthal

Die Leute, die er sucht, stellt, verhaftet oder verhaften lässt, nennt er seine Kunden - der erste Kunde, den er festnahm, ein SS-Mann namens Schmidt, musste ihn stützen, als es die Treppe hinunterging: Simon Wiesenthal, von den Amerika­nern eben aus dem Konzentrationslager Mauthausen befreit, konnte sich nach monatelanger Haft noch kaum aus eigener Kraft auf den Beinen halten. Er war, als die amerikanischen Panzer durchs Lagertor rollten, nicht einmal in der Lage gewesen, den Siegern auf allen vieren entgegenzukriechen, aber er wusste schon in der ersten, von akuter Todes­furcht freien Nacht, was er tun wollte, und er wusste es immer noch, als ein Anonymus siebzehn Jahre später seine Tochter zu ermorden drohte: Ich kann nicht aufhören. Ich kann nicht aufhö­ren. Es geht ihm, dem als eine Art Privatmann sicherlich erfolgreichsten Aufspürer von NS-Ver­brechern, nicht um Rache, sondern um Gerechtig­keit, wie er sagt. Der (wie der Literatur-Nobel­preisträger Agnon) im galizischen Buczacz ge­borene Wiesenthal, der in Prag Architektur studierte, ist kaum je dazu gekommen, seinen Beruf auszuüben; die relativ bequemste Tätigkeit, zu der er wäh­rend des Krieges gezwungen wurde, war, Hoheitszeichen - Reichsadler mit Hakenkreuz - auf erbeutete Loko­motiven zu malen, deren Räder dann doch nicht mehr für den Sieg rollten.

Sein prominentester Kunde ist Adolf Eichmann gewesen, auf SS-Dienstbogen Referatsleiter IV-B-4 im RSHA, im Amtsdeutsch des Dritten Reiches Koordi­nator der Endlösung der Judenfrage im Reichssicher­heitshauptamt, auf deutsch der jenige, der den Ab­transport der Juden in Europa zu organisieren hatte und zu organisieren wusste. Über weniger prominen­te Kundschaft spricht Wiesenthal, Initiator des Wiener Dokumentationszentrums des Bundes jüdi­scher Verfolgter des Naziregimes, nur, wenn er es für zweckmässig hält, sonderbare bürokratische Schwierigkeiten - etwa in der Bundesrepublik oder in österreich, in Italien, Brasilien, Paraguay und Argentinien - durch Mobilisierung der Öffent­lichkeit zu vermindern. Kriegsverbrecper und Staatsanwälte, Minister und Gelehrte, so schreibt sein Biograph Joseph Wechsberg, haben erfahren müssen, dass Wiesenthal kein bequemer Gesprächs­partner ist, sicherlich aus sehr verschiedenen Gründen. Die Zeithistoriker rechten mit ihm, weil es Wiesenthal , der Justizministerien und Bot­schafter, Staatsanwälte und Dorfpolizisten im rechten, oft letzten Moment zu alarmieren weiss, um den Zugriff mehr geht als um genaue Dienst­bezeichnung oder Geschichtsdaten. Die anderen haben anderen Grund zur Sorge: Auf Wiesenthals Kartei sind noch über 22000 Namen offen. Von die­ser Ausgabe an veröffentlicht der SPIEGEL einige Abschnitte aus einem Arbeitsbericht Wiesenthals (Seite 52), der nächstens auch als Buch in Deutsch­land erscheint. Der resignierende Titel: Doch die Mörder leben.

Seitenanzahl: 98 Seiten

Sprache: Deutsch

Gewicht: 185 Gramm

DS-DE.1967.nr.33

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