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Titelbild: Serienmaschinen, Rennmaschinen, Mofas und Mopeds des In und Auslands
Original-Inhaltsbeschreibung vom Motorrad Katalog Nr. 4 von 1974 - Serienmaschinen, Mofas uvm.:
Vorwort:
Mit dieser Ausgabe erscheint der Motorrad-Katalog bereits zum vierten Mal und bringt eine Übersicht über die rund um den Erdball serienmäßig gefertigten Motorräder (und Motorroller) von 50 cm³ aufwärts. Noch immer ist allenthalben ein steigendes Interesse an Motorrädern aller Hubraumgrößen und der verschiedenen Charakteristiken festzustellen, ist kein Ende des „Booms“ abzusehen, obwohl gerade auch in Deutschland steigende Preise für Neumaschinen, für Reparaturen und Ersatzteile, insbesondere aber auch für die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung, Kauf und Unterhaltung eines Motorrades für manchen Kaufinteressenten recht sehr erschweren.
Schon ein flüchtiges Durchblättern des Katalogs zeigt, daß zwar eine ganze Anzahl der weit über 300 Modelle, die in Bild und Text vorgestellt werden, lediglich Detailverbesserungen erfuhren, daß aber zu den im Vorjahreskatalog aufgeführten Typen eine ganze Reihe neuer gekommen ist. Darunter befinden sich erfreulicherweise auch Neuentwicklungen deutscher Hersteller – und es gibt sichere Anzeichen dafür, daß sich diese Aktivität gerade auch der deutschen Motorrad-Industrie fortsetzen wird.
Nicht immer stand das Motorrad, in Deutschland und anderswo, unter so günstigen Aspekten wie heute. Zwar erlebte es, besonders auch in Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg über mehrere Jahre eine Periode der Hochkonjunktur – eine Zeit, in der von einer Vielzahl kleiner und großer Hersteller eine erstaunliche Modellvielfalt angeboten und geliefert wurde. Aber in dieser Zeit – die eine Parallele zu den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg darstellte – diente das Motorrad überwiegend der Befriedigung des Wunsches nach individueller Motorisierung, das heißt, das Motorrad bot die erste breite Möglichkeit auch für noch weniger Begüterte, über ein eigenes motorisiertes Transportfahrzeug für berufliche Zwecke, für den Weg zur Arbeitsstätte und auch zur Freizeitgestaltung (an die man nach den Jahren der Entbehrung wieder denken konnte) zu verfügen.
Deshalb konnte es nicht wundernehmen, daß mit rasch steigendem Lebensstandard und Wohlstand das Motorrad als Transportgerät mehr und mehr von dem für diesen Zweck unbestreitbar vorteilhafteren Automobil abgelöst wurde. Wer sich dennoch für berufliche Zwecke eines motorisierten Zweirads bedienen wollte, fand es in dem unerreicht wirtschaftlichen Moped (zu dem sich später das zudem führerscheinfrei zu fahrende Mofa 25 gesellte).
Das Interesse an Motorrädern aber erlosch im Zuge dieser Strukturwandlung jäh – es kam zu jenem Niedergang des Motorrades Ende der fünfziger Jahre, in dem – von einem kleinen Kreis unentwegter Enthusiasten abgesehen – viele das Ende des Motorrades überhaupt sehen zu müssen glaubten. Als zwangsläufige Folge dieses konjunkturellen Rückgangs verschwanden viele, teils jahrzehntelang bekannte Motorradmarken in Deutschland und im Ausland vom Markt – ihre Herstellerbetriebe mußten die Tore schließen oder ihre Fertigung umstellen.
Es ist hinreichend bekannt, daß es die Japaner waren, die als erste – und zwar zunächst in Amerika – Motorradfahren unter neuen, modernen Aspekten propagierten: nicht mehr „Auto des kleinen Mannes“ sollte das Motorrad künftig sein, nicht mehr der sollte vornehmlich als Motorradkäufer in Frage kommen, der sich kein Auto leisten könne – sondern der, der zwar ein Automobil als individuelles Alltags-Transportgerät besitzt, der aber mit dem Motorrad die Freiheit sich zurückholen möchte, die das zum Gebrauchsgegenstand abgewertete Automobil ihm nicht mehr bieten kann.
Im Sog des von den Japanern und in USA angekurbelten „Booms“ zogen dann auch europäische Motorradhersteller wieder mit – in England und Italien, in Spanien und Schweden, in Deutschland und Österreich. Sie alle werden in den kommenden Jahren ihr Schwergewicht auf den europäischen Markt werfen. Und deshalb darf angenommen werden, daß das Motorradangebot auch in den nächsten Jahren nicht geringer werden wird.
Siegfried Rauch - Chefredakteur der Zeitschrift Das Motorrad
Motorrad Katalog (Kleinformat) - Jahrgang 1973/74 Ausgabe Nummer 4 - Stand 15 August 1973
Seitenanzahl: 258 Seiten
Sprache: Deutsch
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